Anfängergeist

Pfeffergeist ist Anfängergeist im besten Sinne – ohne Anspruch auf Perfektion, mit dem Wissen um die eigene Unwissenheit. Es gibt diesen Satz in Games of Thrones: „Du weißt gar nichts, Jon Schnee!“*. Damit stellt Ygritte, eine Frau aus dem freien Volk, Jon Schnees Weltbild immer wieder in Frage. Sie leben auf unterschiedlichen Seiten der Mauer und haben entgegensetzte Weltbilder, in denen jeweils das Volk des anderen als Räuber und Mörder angesehen wird. Beide Perspektiven sind unvereinbar und gleichzeitig sind beide nachvollziehbar. Wie oft glaubt man im echten Leben, schon viel gelernt zu haben, zu wissen, wie die Dinge stehen und wie sie laufen. Und doch wird man immer wieder überrascht, wenn man sich lässt, und muss zugeben, dass die Welt aus einem anderen Blickwinkel eine ganz andere ist. Der Welt das nicht übel zu nehmen, ist ebenso Aufgabe wie Kunst. Und immer wieder neu hinzusehen, anzufangen, sich Herausforderungen zu stellen, neues zu probieren, statt immer zu tun, was schon immer getan wurde. Riskieren, mal nicht recht zu haben, etwas falsch zu machen. Den Perfektionsanspruch links liegen zu lassen und rechts den Glauben, dass alles verlottert, wenn man nicht ständig und ausdauernd kritisiert. Wo kommen wir denn hin, wenn wir nur Positives betonen und anderen sagen, was uns gut gefällt. Wer achtet denn dann auf all das, was schief läuft und nicht sein darf? Hm… wer also? Und wozu? Und wer sagt eigentlich, dass die Art wie es läuft, schief ist oder krumm? Wer hat denn die Wahrheit und das Wissen, das zu entscheiden? „Du weißt gar nichts, Jon Schnee!“ – und damit wird alles ganz leicht. Dehnt sich aus, als fehlten plötzlich die Grenzen. Schon auch beängstigend. Und frei. Wie Pfeffergeist. Ein Anfang eben.

*Games of Thrones – Martin, George R. R. (2012): Die Königin der Drachen. Das Lied von Eis und Feuer 6. München. S. 44 ff.

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