Der andere Januar

„September is the other January“¹, twitterte Gretchen Rubin letztes Jahr um diese Zeit. Aus irgendeinem Grund musste ich daran denken und finde, da ist was dran. Die ganze letzte Woche lag schon Veränderung in der Luft und das Licht ist schon eindeutig herbstlich. Mit der Frische und dem Wind hat es was von Aufbruchstimmung und Freiheit, von Loslassen und Neuanfangen. Und dann noch Schulanfang und Ausbildungsbeginn. Das erinnert mich daran, dass wir uns früher zu jedem neuen Schuljahr vorgenommen haben, dieses Jahr aber wirklich immer aufzupassen, ordentlich mitzuschreiben und direkt am selben Tag die Hausaufgaben zu machen. Meist hat das so zwei, drei Tage angehalten. Ich muss gestehen, geändert hat sich das bis heute nicht. Ich nehme mir regelmäßig Sportprogramm vor, gesunde Ernährung, früh schlafen gehen … und … die Steuerunterlagen. Jetzt könnte ich das nächste Selbstoptimierungsbuch lesen, „Aus guten Vorsätzen erreichbare Ziele machen“ oder so ähnlich – und mit mir selbst unzufrieden sein. Stattdessen denke ich an einen Spruch von einem alten Freund:“Inkonsequenz ist die Freiheit des Lebens!“² Wenn ich die guten Vorsätze als Chance verstehe, etwas Neues auszuprobieren, finde ich, verdienen sie ihren Namen auch! Das heißt dann ja auch nicht, dass ich das dann für immer so machen muss – egal wie überzeugt und enthusiastisch ich zu Beginn war. Was für Freiheit! Die Dinge ändern sich, da darf ich mich und meine Meinung doch wohl auch ändern! Und wenn ich im Jahr ein paar Mal mein Sportprogramm neu starte, kommen am Ende einige Wochen zusammen, in denen ich sehr konsequent Sport getrieben habe. Und dann hab ich noch gedacht, wenn man zum Schulstart in eine neue Klasse kommt oder mit dem Ausbildungsbeginn die Schulzeit hinter sich lässt, hat das so etwas Offenes. Die ganzen Menschen, die man neu kennenlernt, kennen einen ja noch nicht. Die wissen noch gar nicht, wie man so ist. Dass man immer die Ordentliche ist, die Streberin oder die Dusselige, die immer alles vergisst. Da könnte man also ganz so sein, wie man wollte, ohne komisch angesehen zu werden und ohne blöde Kommentare! Ob man davon nicht auch was in den Alltag holen kann? Wie oft machen wir Dinge einfach aus Gewohnheit, weil wir „halt so sind“ oder weil sie eben von uns erwartet werden? Was würde ich tun oder nicht tun, wer würde ich sein oder nicht sein, wenn mich keiner kennen würde? Und warum nicht mal Bekannte überraschen oder ausprobieren, wenn man neue Leute kennenlernt? Man kann immer und überall noch mal anfangen und werden, wer man sein will.

¹Gretchen Rubin twitterte das am 20.08.2018 (https://twitter.com/gretchenrubin). Und wer doch den Weg „Aus guten Vorsätzen erreichbare Ziele machen“ wählen will, dem sei „The Happiness Project“ von ihr ans Herz gelegt – ganz kurzweiliges und anregendes Buch.

²Ich habe keine Ahnung, wo Hendrik den Spruch herhatte, aber wenn jemand die Quelle kennt, sagt mir Bescheid!

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